Wer sind eigentlich „wir“? Wer ist diese Familie, über die ich hier schreibe? Zu meiner Familie gehört der Mann, der (Achtung, er diktiert) „hübsch, diplomatisch und intelligent ist, mit Augen wie tiefe blaue Bergseen“.
Er hat also Humor.
Wir kennen uns seit zehn Jahren über unser gemeinsames Hobby pen&paper-Rollenspiel. Also sind wir quasi zwei Nerds, die irgendwann Kinder bekommen haben.

Unseren Erziehungsstil würde ich als „Fail Forward“ beschreiben. Nach bindungsorientiert, autoritativ und demokratisch – die alle in der Theorie nett klangen, aber in der Praxis entweder nur für Situation A, Kind B oder Elter C (in verschiedenen Kombinationen) funktionierten – scheitern wir also jetzt bewusst und aus Gewohnheit.
Aber immerhin lernen wir daraus und machen es dann folgend anders. Selten besser, aber wenigstens anders.
Bei dem Tempo, den das Leben hat, finde ich mittlerweile alle Strategien gut, die möglichst wenig Aufwand bedeuten. Aber bewundere alle, die da mit mehr Energie und Überzeugung unterwegs sind – denn ich weiß nach sechs Jahren Mutterschaft immer noch nicht, was ich da tue.
Die meiste Zeit sind wir eh damit beschäftigt, unseren Alltag und unser Leben auf die Reihe zu bekommen, da ist der Rest quasi die Kür. Aber unsere Kinder sind ziemlich robust.
Aber schließlich sind sie wahre Metalkids.
Am liebsten hören sie Metallica und Ghost (der Sechsjährige); und zwar LAUT (der Vierjährige). Die beiden könnten nicht unterschiedlicher sein, als
#bestebrüder sind sie aber unschlagbar und haben bei uns den Hashtag #chaosundzerstörung etabliert. Sie lieben sich, sie kloppen sich, die meiste Zeit ist es wunderbar mit ihnen. Aber – ehrlich gesagt – nicht nur. Und schon gar nicht immer.
Das erstgeborene Frühchen hat mir fünf Jahre ausschließlich Sorgen bereitet. Alles mit ihm war ein Kampf: Schlafen, Füttern, Trockenwerden, … nichts konnte man ihm Recht machen und ich war jahrelang überzeugt, dass mit ihm irgendetwas nicht stimmte. Anpassungsstörung? Regulationsstörung? Nachfolgen der Frühgeburt? Konnte ich deshalb nicht stillen? Hatten wir deshalb Bindungsprobleme?
Aber nein, das Kind ist vollkommen normal, aus dem schwer zu handelnden Baby und Kleinstkind wurde ein tolles Kindergarten- und jetzt mit sechs großartiges Vorschulkind. Er ist clever, selbstständig, kreativ und ein nächtlicher Philosoph mit Hang zur Dramatik.
Geschlagen mit einer Hausstaub- und Pollenallergie leidet er auch noch unter Neurodermitis. Damit ist er ein zu mir passender Nerd und Stubenhocker, der Geschichten schreibt, am liebsten zeichnet und überall niesen muss. Wir stehen uns jetzt näher, als durch die ersten schweren Jahre zu erwarten war.
Allerdings wurde ich mit der zweiten Schwangerschaft wirklich auch in
vielerlei Hinsicht entspannter und problematisierte nicht mehr so viel.
Der Zweitgeborene relativierte außerdem so ziemlich alles, was ich dachte,
durch das erste Kind begriffen zu haben. Die Geburt war traumhaft und er war ein super fröhliches Baby. Stillen konnte ich aber immer noch nicht ohne Probleme.
Bei ihm war ich davon überzeugt, dass alles in Ordnung war, doch die Ärzte
waren anderer Meinung und diagnostizierten eine hochgradige Schwerhörigkeit.
Die ersten Lebensjahre waren wir also mit seiner Versorgung und
Frühförderung beschäftigt. Hörtests beim HNO, der Hörgeräteakustik und in der Pädaudiologie, zudem eng überwachte Sprachentwicklung. Dazu lernte ich mit ihm rudimentäre Gebärden. Unsere Beziehung war eng, die Kommunikation lief total reibungslos und manchmal nur anhand seiner Mimik. Je älter er wurde, je besser er sprechen lernte, um so klarer wurde: das Kind kann hören.
Will nur nicht.
Aus dem entspannten Baby und Kleinkind, das echt viel mitmachen musste und alles mit guter Laune und viel Charme erduldete, ist mittlerweile ein wankelmütiges Kindergartenkind mit empfindlichen Gemüt geworden. Von seinen Erzieherinnen wird er als „kernig“ bezeichnet, er ist laut, sturköpfig und ziemlich wild. Aber gleichzeitig sehr ängstlich, total sensibel und unsicher.
Entweder macht er Quatsch und ist der lustigste Zeitgenosse der Welt oder er ist ein übellauniger und weinerlicher Despot, der uns alle mit der Knute regiert. Wir nennen ihn nur „den Alpha“, der hier das komplette Kommando inne hat.
Mittlerweile ist er ein totales Papa-Kind und ich darf mich oft hinten anstellen.
So anstrengend der Alltag mit ihm und seinen Schnapsideen sein kann (seine Stimme klingt auch wirklich nach Kettenraucher und Whiskeyliebhaber), so unkompliziert ist er in allen Meilensteinen und Entwicklungsschritten. Mit ihm kam erst der Spaß und reichlich Action in unsere Familie.
Unsere Pläne
Wie es nächstes Jahr nach hoffentlich bestandener Verteidigung und mit
endlich erhaltenem Doktortitel weitergeht? Keine Ahnung, ich habe ehrlich keine weiteren Pläne gemacht, weil ich nicht damit gerechnet habe, soweit zu kommen.
Ich habe weder einen Folgevertrag an meinem Institut, noch eine Idee, wo ich außerhalb der Wissenschaft arbeiten könnte. Oder arbeiten wollte.
Als #workingmum bin ich in beiden Lebensbereichen also eher mäßig
erfolgreich. Ich versuche es aber trotzdem hartnäckig weiter – aus Prinzip und für meine Rentenpunkte.
Mit der Einschulung vom Erstgeborenen werden die Betreuungskarten in diesem Jahr sowieso neu gemischt und ich sehe jetzt schon allerhand Katastrophen auf uns zu kommen (ich kann halt nicht aus meiner Haut).
Aber wir sorgen auch schon alleine dafür, dass uns nicht langweilig
wird…denn nach zwei Häusern, die wir saniert und renoviert haben, insgesamt vier Umzügen, einer geschriebenen Doktorarbeit und allen möglichen Kreativ-Projekten, baut der Mann jetzt einen VW-Bus zu einem Camper um. Damit werden wir nächstes Jahr mehr entspannte Familienzeit verbringen.
Hier folgt also bald alles zu unseren Vorhaben, Unternehmungen, Irrungen und Wirrungen als Familie.

Es wird nie langweilig!
Bisher im Blog erschienener Family Stuff